Durchleitungsentgelte 2000

Stromkosten.de Spezial Netznutzung

Strompreis-Untersuchung 1999/2000

Durchleitungsentgelte

 
 
 
Durchleitung bezeichnet den Vorgang, bei dem elektrische Energie durch ein Leitungsnetz von einem bestimmtem Einspeisepunkt zum Endkunden transportiert wird. Die gesetzlichen Regelungen zum Netzzugang ermöglichen es alternativen Stromlieferanten auch solche Kunden zu beliefern, die sich in einem fremden Versorgungsnetz befinden. Der dortige Netzbetreiber muss seine Leitungen zur Belieferung des Endkunden zur Verfügung stellen.

Für die Bereitstellung dieses Leitungsnetzes erhält der Netzbetreiber ein Entgelt, die sog. Durchleitungsgebühr (ähnlich den Netzzugangsentgelten in der Telekommunikation).

Große Probleme bereitet in erster Linie die Bestimmung dieser Netzbenutzungsgebühr.

Festgelegt wurden diese Durchleitungsentgelte nach der sogenannten Verbändevereinbarung vom 22.05.1998 und danach nach der Verbändevereinbarung II.   Die Darstellung der Untersuchung aus 1999/2000 auf Stromkosten.de dient heute allein der besseren Verständlichkeit der Entwicklung und der Überprüfung, welche Verbesserung das Energiewirtschaftsgesetz 2005 bewirkt hat und wie erfolgreich die Tätigkeit der Bundesnetzagentur bisher war.  Die Untersuchung wird demnächst ergänzt und mit den heutigen Preisen in Relation gesetzt. Diese Preise gelten im internationalen Vergleich nach wie vor als überhöht.

 

Vergleich der Durchleitungsentgelte in Deutschland mit liberalisierten Märkten in Europa und USA 1999/2000

 

BRD

>

110 kV

England & Wales

>

66/132 kV

Nordpool (Norwegen)

>

132 kV

AEP (USA)

>

69 kV

MAPP (USA)

>

115 kV

Günstigster Anbieter

Unterschied in Prozent

 

1. Spitzenlast Stunden

50 km 200 km

500 km

34,8

37,3

48,1

26,1

27,7

29,6

14,1

15,2

17,0

11,0

14,8

20,7

15,4

15,4

15,4

11,0

14,8

15,4

+ 216 %

+ 152 %

+ 212 %

 

2. Schwachlast Stunden

50 km

200 km

500 km

34,3

36,8

47,5

3,8

5,2

6,6

1,7

2,4

4,6

4,3

5,2

6,2

10,3

10,3

10,3

1,7

2,4

4,6

+ 1.918 %

+ 1.533 %

+ 1.033 %

 

3. Ganzes Jahr

50 km

200 km

500 km

20,0

21,4

27,4

12,5

14,8

17,3

6,1

6,7

6,7

8,0

10,6

14,6

11,8

11,8

11,8

6,1

6,7

6,7

+ 328 %

+ 319 %

+ 409 %

 

Durchleitungsbeispiel RWE

Am Beispiel der RWE-Energie Durchleitungsentgelte (Stand März 1999) soll verdeutlicht werden, daß die von den Energiekonzernen veranschlagten Kosten damals zu hoch waren, wobei die Entgelte der RWE im Branchenvergleich eher günstig ausfielen.

Auszug aus der Preisliste 1999:

Durchleitungsentgelte für Kunden ohne Leistungsmessung

Für Kunden im Niederspannungsnetz ohne Leistungsmessung ergeben sich aus den vorgenannten Leistungs- und Arbeitspreisen die folgenden Durchleitungsentgelte:

 

Bedarfsart

Nettopreise pro kWh

Gesamtpreise *)

Haushaltsbedarf und land-wirtschaftlicher Bedarf

 

11,42 Pf/kWh

 

rd. 13,25 Pf/kWh

Gewerblicher, beruflicher und sonstiger Bedarf

 

9,08 Pf/kWh

 

rd. 10,53 Pf/kWh

 

Die Entgelte berücksichtigen die Inanspruchnahme sämtlicher Spannungsebenen, einschließlich Systemdienstleistungen und Verluste. Die Entgelte verstehen sich zuzüglich Zählung und jeweiliger Konzessionsabgabe.

Die Festlegung von geeigneten Lastprofilen sowie der Ausgleich von Fahrplanabweichungen bedürfen einer gesonderten Vereinbarung.

*) Preis incl. 16 % Umsatzsteuer

Preisblatt 8

Quelle: RWE Energie, Veröffentlichung im Internet 1999

 Beispiel Haushaltstarife:

Die Durchleitungsentgelte der RWE Energie für Haushaltskunden betragen 11,42 Pf netto pro kWh. Gemäß dem Allgemeinen Tarif- und Preisblatt der RWE-Energie AG fordert diese von Haushaltskunden pro kWh Strom 20,3 Pf netto (ohne Stromsteuer und Umsatzsteuer). In diesen 20,3 Pf ist bereits die Konzessionsabgabe, die der Energieversorger an die Gemeinden und Landkreise zahlen muß, enthalten. Die Konzessionsabgabe beträgt beispielsweise für Gemeinden über 500 000 Einwohner 4,69 Pf/kWh.

Zieht man nun von dem Gesamtnettopreis der RWE-Energie AG diese 4,69 Pf Konzessionsabgabe ab und subtrahiert im Anschluß daran auch noch die 11,42 Pf für die Durchleitung, so bleiben für den eigentlichen Strompreis nur noch 4,19 Pf.

 

Nettopreise für Haushaltskunden 20,30 Pf

(laut Preisblatt RWE Energie)

abzüglich Durchleitungsentgelt 11,42 Pf

abzüglich Konzessionsabgabe 4,69 Pf

(bei Gemeinden über 500 000 Einwohner)

verbleiben für den Strom nur noch 4,19 Pf

 

An diesem Beispiel wird bereits dem Laien deutlich, daß eine solche Durchleitungspauschale nicht angemessen ist.

Weiterhin ergibt sich daraus zwingend die Frage, warum ein gewerblicher Tarifkunde – mit einem vielfachen Strombedarf eines Privathaushaltes – mit Stromkosten von 25 bis zu 45 Pf/kWh belastet wurde, wenn es doch möglich ist, an kleine Haushaltskunden Strom für unter 16 Pf/kWh, einschließlich Erzeugungs- und Übertragungsentgelt, abzugeben.

Dies sind nach Ansicht des Verfassers eindeutige Indizien für zu hohe Durchleitungsentgelte und für ein insgesamt zu hohes Preisniveau in der Bundesrepublik Deutschland, was auch durch den internationalen Preisvergleich bestätigt wird.

So zahlt bspw. ein Haushaltskunde in liberalisierten Märkten zum Teil nur 12 Pf/kWh, Gewerbekunden 8 Pf/kWh. Die kleinen und mittleren gewerblichen Stromabnehmer zahlen im europäischen Vergleich mitunter die höchsten Preise in Europa.

 

Durchleitungspreise für Mittelspannungskunden 1999/2000

Bei Kunden mit kleiner eigener Trafostation (Mittelspannungskunden) lassen sich wesentlich niedrigere Durchleitungsentgelte realisieren.

Bei einer Entfernung von ca. 100 km betragen die Durchleitungskosten ca. 3 Pfennig pro Kilowattstunde bei der RWE-Energie AG.

Damit gewinnt die Durchleitung für mittelständische Unternehmen schon jetzt erhebliche Bedeutung bei der Verhandlung im liberalisierten Energiemarkt für leitungsgebundene Energien.

Denoch gibt es gigantische Preisunterschiede bei den Entgelten die verschiedene Versorger fordern.

Ein unhaltbarer Zustand der zu Wettbewerbsverzerrungen in Deutschland führt.

 
Rechtsanwalt Hanno Blatzheim

Über Rechtsanwalt Hanno Blatzheim

Rechtsanwalt Hanno Blatzheim ist seit 1997 (Magazin Focus) auf dem Spezialgebiet des Energierechts tätig. Er hat die Liberalisierung des Energiemarktes seit April 1998 von Beginn an begleitet und schon 1997 im Nachrichtenmagazin Focus und 1998 und 1999 im ZDF-Magazin Frontal auf erhebliche Missstände bei Stromtarifen und Stromabrechnungen hingewiesen. Laut ZDF-Magazin Frontal ist er einer der Experten in Deutschland. Er berät Energieverbraucher und Unternehmen in Deutschland und Europa in allen rechtlichen Fragen der Energieversorgung. Für Stromkosten. de und Energiekosten.de schreibt er exklusiv über aktuelle Themen und berichtet aus der anwaltlichen Praxis.
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